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Der verschwundene Spieler, diesmal ganz anders

Im Rahmen einer leider ziemlich schiefgegangenen Wildes-Aventurien-Runde hatte ich dermaleinst ein Szenario namens “Der verschwundene Spieler” geleitet. Dieses Szenario hat mir auch auf Cons schon gute Dienste geleitet und wurde letzten Freitag wieder einmal als Testszenario in einer Vorbereitungsrunde für eine Dungeonslayers-Aventurien-Oder-Savage-Worlds-Kampagne herangezogen.

Einer der Spieler war so nett, einen Spielbericht zu schreiben, daher erspare ich mir die lange Version einfach mal und packe einfach noch ein paar Gedanken dazu:

  • Das Szenario ist diesmal deutlich anders gelaufen als in bisherigen Versuchen (“Goldlocke” Schönfeld, der von den Spielern selbst verbockte Red Herring, der Einbruch ins Anwesen des Herrn ya Lanza). In meinen bisherigen Runden war der Lösungsansatz “Einbrechen” leider nie so wirklich vorgekommen, allerdings hatte ich entsprechende Gebäudeskizzen schon für den allerersten Anlauf vorbereitet, einfach weil es ja hätte sein können und weil ich die Idee irgendwie cool fand. Jetzt hat’s endlich mal geklappt. Leider konnte ich die Szene dann deutlich weniger gut umsetzen als gehofft, allerdings ist 1 Uhr morgens auch keine Uhrzeit zum Spielleiten.
  • Das von uns eingesetzte Roll20 wäre eine ziemlich coole Sache, wenn es weniger instabil wäre. Unser Hauptproblem – die richtig miese Performance – ist wohl durch die Kombination aus Roll20 und Hangout entstanden und den Entwicklern bereits bekannt, allerdings hakte es auch ansonsten immer wieder an allen möglichen Ecken. Wenn diese Schwächen noch beseitigt werden (wovon ich ausgehe, schließlich ist das Programm gerade erst aus der Beta), hat man hiermit ein saucooles Tool zur Hand.

[Malmsturm] Viel Verschwörung und kein Todesfall

Was bisher geschah

Gestern haben wir endlich die erste “richtige” Runde Malmsturm, ein deutsches Fantasy-System auf Basis von FATE, gespielt. Eine Sitzung hatten wir schon vor zweieinhalb Wochen, da wurden aber nur Charaktere gebaut. Die Gruppe besteht aus einem ehrenhaften Krieger namens Radogard, dem gar nicht weltfremden Mönch Bruder Mainhardt und dem leicht intriganten bischöflichen Buchhalter Kristophal Glecher.

Das originale Malmsturm-Setting wird bei uns freilich großräumig ignoriert. Wir spielen also generische Sword&Sorcery ohne Sorcery (ich hatte mir die Magieregeln vorher einfach nicht angeschaut, und die Spieler waren trotzdem einverstanden). Mit unseren diversen Vereinbarungen, die wir dann zum Setting gemacht haben (wir entwickeln das jetzt quasi am Spieltisch), spielen wir eher schon Mantel & Degen, aber wie auch immer.

Die Spieler hatten mir bei der Charakterschaffung in den Phasen 4 und 5 mehr oder weniger mit dem Zaunpfahl gewunken, dass sie irgendwas mit einer Verschwörung im Umfeld des Herzogs spielen wollten. Das habe ich dann auch umgesetzt (mit einigen kleinen Tweaks an den Spielervorgaben – hundertprozentig ließ sich das nicht übernehmen…).

Und losgespielt!

Nachdem wir dann gestern die Charaktere noch fertiggestellt hatten, ging es dann mit dem üblichen Vorgeplänkel ingame. Der Buchhalter Kristophal hatte in der Buchhaltung des Bischofs Unregelmäßigkeiten entdeckt – Spendenzahlungen vom Sohn des amtierenden Herzogs an die Kirche, die aber irgendwie nirgendwo ankamen. Außerdem hatte er noch ein verdächtiges Gespräch zwischen einem hohen Beamten des Bischofs und einem Vertrauten des Herzogssohnes belauscht, welches möglicherweise nahelegte, dass beide in naher Zukunft einen Umsturz planen.

Im feierlichen Rezitativ einer Outgame-E-Mail wurde dieses Wissen dann auch den beiden anderen Spielern anvertraut. Die erste Idee der Spieler danach war, einmal den Sommersitz des Bischofs und die dortigen Akten zu prüfen, um den Verbleib des Gelds zu klären.

Wenige Tage später erreichten die Spieler den malerischen Ort Waldheim, Sommersitz des Bischofs, und wandten sich dort zunächst an den Pfarrer, um in das Archiv des Bischofs zu gelangen. Der Dorfpfarrer war genau der richtige Ansprechpartner, denn außerhalb des Sommers verwaltete er tatsächlich den Bischofssitz und war auch gerne bereit, den Spielern Zutritt zu gewähren, wenn diese denn ein Schreiben des Herrn Bischofs hätten, welches sie als Mitarbeiter ausweist?

Gegen Zahlung eines FATE-Punkts hatte Kristophal ein solches Schreiben natürlich tatsächlich mitgenommen (wobei wir die Authentizität dieses Dokuments lieber nicht genauer erörtern wollten), und am nächsten Tag konnten die Spieler dann das Archiv genauer unter die Lupe nehmen – erfolglos freilich. Bis auf die Tatsache, dass hier absolute Unordnung herrschte, war nichts herauszufinden. Während Radogard und Mainhardt von Kristophal zum Akten sortieren verdonnert wurden, beschäftigte dieser sich damit, doch einmal den Bischofssitz genau unter die Lupe zu nehmen, ins Büro des Bischofs einzubrechen und in einer Schublade einen höchst leichtsinnigerweise nur zerrissenen und nicht verbrannten Brief zu finden.

Aus Zeitgründen konnte er diesen nicht sofort zusammensetzen – dies geschah gemeinschaftlich am Abend im Gästezimmer des Dorfpfarrers. Und tatsächlich ließ sich das Schriftstück, über das offenbar während des Schreibens ein Tintenfass vergossen wurde, zusammensetzen und entziffern:

Werter Herr Berald von Teryllen,

Wir bedanken uns für die letzte Unterstützung, das gemeinsame Unterfangen geht gut voran. Die Verhandlungen mit unserem baldigen Unterstützer führten zum Erfolg, eine Veränderung der Lage steht sicherlich kurz bevor. Ich hoffe, dass Ihr keine überst… *tintenklecks* …genmächtiges Vorgehen zu Ohren gekommen, welches Ihr möglicherweise korrigieren solltet.

An dieser Stelle brach der Brief ohne Unterschrift ab.

Der restliche Abend wurde dann mit fröhlichem Knobeln und einigen eher fruchtlosen Rechercheversuchen im Dorf verbracht.

Fazit

Die Runde hat auf jeden Fall Laune gemacht, auch wenn der Umgang mit FATE-Punkten und Aspekten noch recht hölzern und unvollständig war. Na ja, man muss sich an das System wahrscheinlich einfach noch gewöhnen.

Mir hat es richtig Spaß gemacht, diese Runde zu leiten. Teilweise hatte ich Schwierigkeiten, zu meinem Kernplot was sinnvolles zu improvisieren – den Bischofssitz hatte ich gar nicht vorgesehen, aber irgendwas musste ich die Spieler ja auch finden lassen, wenn sie schon zwei Wochen unterwegs sind. Und das ging eben noch nicht so 100% flüssig, sondern führte zur einen oder anderen kleinen Ungereimtheit. Leider habe ich auch nicht für alle Spieler sinnvolle Personal Involvements, was am Anfang auch zu einigen Diskussionen führte – die Spieler haben sich dann zum Glück selbst Motivationen ausgedacht, die zum Plot passten…

Na ja, Übung macht den Spielleiter Meister.

Fazit in zwei Worten: FATE rockt.

Weiter geht es dann in zwei Wochen.